Pirmasens – die sterbende Stadt lebt !

Zu meinem kleinen Jubiläum – dies ist der 50. Blogbeitrag – will ich mich nochmals meiner Heimatstadt widmen.

Totgesagte leben bekanntlich länger. Mit dem in den Medien gerne verbreiteten negativen Bild der ehemaligen Schuhmetropole in der Südpfalz habe ich mich bereits in meinem Blogbeitrag „ Es gibt es, das schöne Pirmasens! Hommage an meine Heimatstadt“ ( https://ludwigunterwegs.wordpress.com/2017/05/05/es-gibt-es-das-schoene-pirmasens-hommage-an-meine-heimatstadt/ )beschäftigt. Wer den Beitrag noch nicht gelesen hat – unbedingt nachholen.

Heute soll nun das neue Pirmasens gezeigt werden. Einmal quer durch die Stadt – von Nord nach Süd. Beginnen möchte ich sportlich mit dem neuen für 10.000 Zuschauer gebauten Fußballstadion, in dem der FK Pirmasens seine Heimspiele austrägt. Erwähnenswert ist hier noch, dass man sich beim FKP der amerikanischen Tradition aus früheren Jahren verpflichtet gefühlt hat und daher vor wenigen Jahren eine Footballmannschaft – die Pirmasens Praetorians – ins Leben gerufen hat, die inzwischen in der 5. Liga mit gutem Erfolg spielt.

Das neue Stadion liegt auf dem ehemaligen Gelände der amerikanischen Streitkräfte. Nach dem Wegzug der Amerikaner wurden viele Kasernen abgerissen und es entstand peu-a-peu ein neues Industrie- und Dienstleistungszentrum. Prägend ist dabei das sogenannte „Banana-Building“, das aus Richtung Rodalber Strasse gesehen so in die Straßenbiegung hineingebaut wurde, dass es die Krümmung einer Banane zeigt. Zweites Aushängeschild ist die „Automeile“. Dort haben sich inzwischen etliche Autohändler angesiedelt. Und es werden immer mehr!

Bananabuilding
Bananabuilding

Auf der anderen Seite der B 10 lag früher die Wohnsiedlung der amerikanischen Streitkräfte. Heute entsteht dort ein neues Wohngebiet; Dienstleister und der „Campus“ – ein Teil der Fachhochschule Kaiserslautern – haben sich hier angesiedelt. Und wieder eine Reminiszenz an die amerikanischen Streitkräfte – die Straßennamen blieben auch nach Abzug der Truppen erhalten. Hier gibt es noch heute eine Texasavenue, Georgiaavenue , u.s.w.

Und weil wir uns gerade im nördlichen Teil der Stadt befinden, möchte ich noch auf zwei Wassertürme hinweisen, die schon seit ihrem Bau das Stadtbild mitbestimmen. Der größere der beiden Türme auf der Husterhöhe wurde bereits 1907 in Betrieb genommen und ist aufgrund seiner Höhe von überall aus gut sichtbar. Der kleinere, der Fehrbacher Wasserturm wurde erst in den 50er Jahren zur Versorgung verschiedener Gemeinden östlich und nördlich von Pirmasens gebaut und irgendwie entwickelte er sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem weiteren Wahrzeichen der Stadt. Gebraucht wird er nicht mehr; deshalb droht der Abriss. Noch ist nichts endgültig beschlossen, da viele Bürger sich dagegen wehren. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Denkmal der Stadt erhalten bleibt.

Zurück in der Stadt, treffen wir zunächst auf das ehemalige Gebäude der Post, das über eine Privatinitiative in den nächsten Jahren in eine Jugendherberge umgewandelt wird.

Auf der anderen Seite der Bahnhofstrasse steht die „Alte Post“, ein um 1890 als Königlich bayerisches Postamt errichtetes denkmalgeschütztes Gebäude im Stil der Neorenaissance. Es zählt mit seiner prachtvollen Fassade zu den repräsentativsten Gebäuden der Stadt sowie zu den bedeutendsten noch erhaltenen gründerzeitlichen Verwaltungsgebäuden in der früheren bayerischen Pfalz. Nach der Restaurierung dient es jetzt als Kultur- & Veranstaltungszentrum sowie als Museum und trägt nun den Namen „Forum Alte Post“.

In unmittelbarer Nähe in der Schachenstrasse erhebt sich der Gebäudekomplex der ehemaligen Schuhfabrik „Rheinberger“, die zur Blütezeit rund 2000 Arbeiter beschäftigte. Heute ist dieser u.a. Heimat des „Dynamikums“ – einem Mitmachmuseum, das dem Besucher viele Möglichkeiten bietet, selbst Dinge auszuprobieren. Ein Besuch lohnt sich, zumal der Eintrittspreis von 23,– € für 2 Erwachsene und ein Kind durchaus moderat ist.

Aber auch neue Wege geht die Stadt! In den letzten Jahren entstand an der Winzler Strasse der „Patio“, ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Pirmasenser Institutionen. In diesem Wohnprojekt werden verschiedene Generationen zusammen leben, wobei der Schwerpunkt auf „leben“ liegt. Jung und alt Hand in Hand in gelebter Quartiersgemeinschaft, das ist der Gedanke. Derzeit entsteht bereits das dritte Haus und die Wohnungen sind sehr begehrt.

Ihr seht, hier kann man leben – und das nicht schlecht. Das zeigt auch die Entwicklung der Einwohnerzahl, die 2015 zum ersten Mal seit langer Zeit leicht stieg.

Den Schlusspunkt der heutigen Betrachtung setze ich am Naherholungsgebiet „Eisweiher“, welches direkt am Rande der Südstadt liegt. Und hier schließt sich auch der Kreis, da auf dem sich anschließenden Sportplatz die „Pirmasens Praetorians“ ihre Heimspiele austragen.

Also, was hindert euch an einem Besuch? Kommt vorbei und seht selbst, was weit ab von Ballungszentren und teilweise auch vergessen von der (Landes)-Politik „lebt“ – eine Stadt auf sieben Hügeln (Sommerwald, Husterhöhe, Horeb, Schachen, Imserbühl, Kirchberg und Steinigbühl). Und diese Hügellage haben wir mit Rom gemeinsam, auch wenn dort die Namen der Hügel aufregender und vor allen Dingen südländischer klingen.

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8 Gedanken zu “Pirmasens – die sterbende Stadt lebt !

    1. Danke! Gerade weil ich Pirmasens liebe, bin ich immer recht verärgert, wenn Außenstehende, die die Stadt nicht kennen, meinen, sich ein Urteul erlauben zu müssen. Und dann eigentlich nur Allgemeinheiten platt treten.

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  1. Danke für den schönen Beitrag. Pirmasens erholt sich langsam und erblüht neu. Die Anderen und Schwarzseher der Stadt werden noch Augen machen. Dazu muss aber bei Angeboten wie neulich die Wodkafirma schneller reagiert und neu innovativer von der Spitze gedacht werden.
    Wir schaffen das
    Bärmasens unsa Stadt 😊😀

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  2. Also ich bin zwar keine „Einheimische“ fühle mich aber seid 37 Jahren sehr wohl in dieser Stadt.
    Hab für dieses negative gerede überhaupt kein Verständnis. Es gibt in jeder anderen Stadt Vor- und Nachteile !!!!!Es wird auch niemand gezwungen zu bleiben,wen Sie od. ER der Meinung sind das es anderswo VIEL besser wäre.

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    1. Vielen Dank Waltraud für deinen Kommentar. Wir sind sehr viel unterwegs und schauen uns dann ganz gerne auch mal „Schattenseiten“ von Städten an. Und es gibt Sie logischerweise überall. Dieses Erkennen ist dann aber auch gut fürs Heimweh😉

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  3. Danke für diesen tollen Artikel,
    bin auch vor 12 Jahren zugezogen und habe hier in Pirmasens meine zweite Heimat gefunden.
    Durfte wunderbare Menschen kennenlernen. Bin sehr dankbar hier leben zu dürfen.

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    1. Vielen Dank! Ich höre immer gern von Menschen, die in Pirmasens ihre neue Heimt gefunden haben und sich hier wohl fühlen. Trage deine positiven Erfahrungen hinaus – auch in deine „alte“ Heimat – und zeige, dass es sich hier zu leben lohnt.

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