Geschichte erleben – ein Besuch in der alten Kaiserstadt Goslar am Harz

Jedes Jahr im Oktober machen wir seit längerer Zeit mit unseren Clubfreunden eine 3-tägige Kulturreise. Ziele waren u.a. schon Paris, Brüssel, Köln, Leipzig und Dresden, aber auch kleinere Städte wie z.B. Trier oder noch kleiner Oppenheim am Rhein wurden angesteuert. Primär ist es aber das Wiedersehen mit Freunden und die gemeinsamen Aktivitäten, die das Ganze immer wieder zu einem besonderen Ereignis machen.

In diesem Jahr führte unsere Tour in die alte Kaiserstadt Goslar am Harz. Zunächst besuchten wir das Kloster Wöltingerode in Goslar-Vienenburg, das heute als Hotel mit Gastronomie sowie als Brennerei genutzt wird. Unsere etwa 1-stündige Führung schloß auch eine Verkostung mit ein. Alles war hervorragend organisiert und sehr informativ. Die verkosteten Brände – 10 an der Zahl – schmeckten zudem super, was sich auch auf den dann anstehenden Umsatz im Klosterladen positiv bemerkbar machte.  Insgesamt gesehen war die Zeit für die Besichtigung/Führung gut angelegt, zumal unsere Fremdenführerin sehr gut auf uns einging und alle Fragen verständlich beantwortete.

 

Wer das Kloster besucht, sollte unbedingt auch eine Besichtigung der Kirche einplanen. Die ehemalige Klosterkirche hat erst durch mehrfache Um- und Anbauten in verschiedenen Bauzeiten ihr heutiges Aussehen bekommen und besteht aus zwei Teilen. Der östliche Teil (aus dem 12. Jahrhundert) dient heute als Kirche. Der westliche Teil besteht aus einer romanischen kryptenartigen Unterkirche. Früher wurde dieser Teil vom Gut als Speicher benutzt, heute ist es ein Konzert- und Veranstaltungsraum.

Die nach der Rekatholisierung um 1700 entstandene barocke Innenausstattung – Hochaltar mit Marienbild und Heiligenfiguren, Kanzel mit Evangelisten, Beichtstuhl, Deckengemälde (Engel mit Marterwerkzeugen Christi im Chor), Weihwasserbecken in Muschelform, Emporen – ist vollständig erhalten.

 

Weiter ging es dann zu unserem Hotel „Der Achtermann“ in Goslar, welches ich an anderer Stelle in meinen Blog beschrieben habe.

Goslar selbst ist eine wunderschöne, alte Stadt, deren Vorteil es ist, den Zweiten Weltkrieg ohne Zerstörungen überstanden zu haben. So stehen im Altstadtbereich heute mehr als 1300 Fachwerkhäuser, die zum überwiegenden Teil in einem hervorragenden Zustand sind.

 

Ein von jedem Fremdenführer gezeigtes Fachwerkhaus ist das mit einer Tür in der zweiten Etage, wo beim Hinaustreten kein Geländer oder Balkon den Absturz in die Tiefe verhindert. Sie wird aufgrund dieser besonderen Konstruktion auch als „Schwiegermutter, hol‘ mir mal ein Bier“-Tür bezeichnet.

 

Um Goslar richtig kennen zu lernen, ist eine Stadtführung unumgänglich. Unser Fremdenführer war ein absolutes Ass. Von Beruf Archäologe und Historiker verstand er es, uns die Sehenswürdigkeiten nahe zu bringen, ohne dabei durch das Herunterleiern von Daten und Fakten langweilig zu werden. Ich kann nur sagen – Chapeau, Herr Moritz! Gut gemacht!

In der Folge gehe ich nun auf einige Highlights des Stadtrundganges ein:

Die Kaiserpfalz in Goslar

Mit 2,50€ in der Gruppe und 3,50€ als Einzelperson sind die Eintrittspreise noch moderat. Der Gebäudekomplex besteht aus mehreren Teilen. Die Führung dauert daher bis zu 1 Stunde oder etwas länger. Im Kaisersaal ist auf 68 zum Teil großflächigen Ölgemälden von Hermann Wislicenus die Geschichte der Pfalz Goslar von den Friedrich Barbarossa bis zu Wilhelm I. und dem 1871 gegründeten deutschen Kaiserreich aus preußischprotestantischer Perspektive dargestellt. Alle Schilderungen waren sehr informativ und gut gemacht.

Vor der Kaiserpfalz stehen die Standbilder von Friedrich, dem Großen und Friedrich Barbarossa.

 

Huldigungssaal im Rathaus 

Der Huldigungssaal soll einer der schönsten Säle überhaupt sein. Er stammt aus dem 16. Jahrhundert. Decken, Wände, Fensternischen – alles ist mit Gemälden ausgekleidet. Über Jahre wurde der Saal aufwendig restauriert und auch die Technik (Klimaanlage, Überwachung. etc.) auf den neuesten Stand gebracht.

Da das alte Rathaus derzeit aber aufwendig in ein Infozentrum „Weltkulturerbe“ umgebaut und in diesem Zusammenhang auch total renoviert wird, ist der Huldigungssaal momentan bis mindestens Ende 2018 geschlossen. Meine Informationen stammen daher aus zweiter Hand und können von mir nur so wiedergegeben werden, wie sie mir erzählt wurden. Sie stammen allerdings von unserem Fremdenführer und können wohl als authentisch angesehen werden.

Siemens Stammhaus

Das Siemens-Stammhaus in Goslar ist ein wunderschönes, altes Bürgerhaus. Errichtet wurde es vor etwas mehr als 300 Jahren von Hans Siemens, einem geachteten Stadthauptmann und Kaufmann. Bei der Innenbesichtigung – diese ist nur im Rahmen einer Stadtführung möglich – wurde uns in der Braustube dann Einiges zum „Gose-Bier“ erklärt, was später auch im „Brauhaus Goslar“ in der Innenstadt verkostet werden konnte.

 


Lohmühle – Stadtgeschichte en miniature

In der 500 Jahre alten „Lohmühle“ befindet sich neben dem Mühlentrakt auch das Zinnfigurenmuseum. Hier kann man die Stadt Goslar und den Bergbau in vielen bildlichen Darstellungen erleben. Für uns war das schon ein ungewöhnliches Erlebnis. Und der Preis mit 4,00€ pro Person geht auch in Ordnung. Für Kinder gibt es ferner ein Märchenquiz mit etwa 30 Märchenszenen.
Zusätzlich kann man die eigentliche Mühle besichtigen. Hier wurde früher Baumrinde gemahlen oder gestoßen, um danach – vermischt mit Wasser – dem Gerber für die Bearbeitung von Leder zu dienen. Der Mühlenantrieb erfolgt über ein Mühlrad mit Wasserkraft. Einmal pro Woche wird die Mühle auch in Betrieb gezeigt.

 

Den Abschluss bildete der Besuch des Brauhauses in der Goslaer Innenstadt. Das teils historische und teils moderne Ambiente in dem ca. 1720 erstellten Bau lud zu einem angenehmen Aufenthalt ein. Nach einer Einführung in die Kunst des Brauens stand unser 3-Gänge-Menue (vorbestellt), bestehend aus einer Markklöschensuppe, einem Kammbraten und einem Tiramisu auf Bierbasis bereit. Qualitativ und quantitativ waren die Speisen absolut i.O.

 

 

Insgesamt waren es wunderschöne Tage mit Freunden in einer angenehmen Umgebung. Wer Goslar noch nicht kennt, sollte diese alte Kaiserstadt unbedingt in sein Programm aufnehmen. Und wer länger bleiben will, hat auch die Möglichkeit, von dort aus den nahen Harz zu erkunden. Primär Städte wie Wernigerode oder Bad Harzburg sowie Deutschlands höchster Mittelgebirgsberg, der Brocken, laden zu einem Besuch ein. Also – Koffer packen und nichts wie hin!

 

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